Staunen, danken, teilen – Erntedank in Taucha

Was haben unbekannte Lebewesen in der Tiefsee, eine unter UV-Licht leuchtende Spinne und mehr als 1.000 Euro Lebensmittelspenden in Taucha gemeinsam? Mehr, als man zunächst denkt. Beim Erntedankgottesdienst am 4. Oktober ging es um das Staunen über Gottes Schöpfung – und darum, dass Dankbarkeit nicht bei schönen Worten stehen bleiben muss.

Dem Gottesdienst lag das Wort aus Psalm 19,2 zugrunde:

„Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.“

Die Schöpfung – noch lange nicht fertig entdeckt

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Mit diesem ersten Glaubensartikel begann ein gedanklicher Streifzug durch eine Schöpfung, von der der Mensch trotz jahrtausendelanger Forschung noch immer längst nicht alles kennt.

Erst vor wenigen Tagen wurde berichtet, dass Wissenschaftler anhand von Proben aus der Tiefsee vor Argentinien 57 bislang unbekannte Arten und zwei neue Gattungen identifizieren konnten. In Bolivien wurde eine neue Wildkatzenart beschrieben, im Beta-Pictoris-System ein weiterer Planet entdeckt – und auch Angola hielt eine Überraschung bereit: Dort sorgte eine gekrönte Krabbenspinne für Aufmerksamkeit, die unter ultraviolettem Licht fluoresziert. Arab News

Für manche ist eine leuchtende Spinne vielleicht weniger Grund zum Staunen als vielmehr ein Grund, etwas Abstand zu halten. Aber auch sie gehört zur Schöpfung.

Und Entdeckungen müssen gar nicht immer spektakulär sein. Vielleicht entdecken wir ein Stück Natur neu, einen Menschen, einen Ort – oder ganz profan ein neues Weingut. Und manchmal entdecken wir neu, wie Gott in unserem Leben wirkt: durch Jesus Christus, durch den Heiligen Geist und durch Menschen, die uns begleiten.

Staunen bringt Verantwortung mit sich

Bei der Bewunderung der Schöpfung blieb die Predigt allerdings nicht stehen. Nach 1. Mose 2,15 erhält der Mensch den Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Wer die Schöpfung als Geschenk Gottes betrachtet, übernimmt damit auch Verantwortung für sie.

Das wird schnell konkret: Muss eigentlich immer alles wachsen? Was bin ich selbst bereit zu verändern? Wo stehen die eigenen Interessen über dem Gemeinwohl? Und wie viel von heute darf auf Kosten von morgen gehen?

Die christliche Hoffnung auf das Friedensreich Christi und die neue Schöpfung bedeutet deshalb nicht, dass uns die heutige Welt gleichgültig sein kann. Im Gegenteil: Wer Gottes Schöpfung liebt, sollte sorgsam mit ihr und mit den Menschen darin umgehen.

Dankbarkeit ganz persönlich

Schon am Freitag vor dem Gottesdienst hatten die Kinder den Erntedankaltar gestaltet. Neben Obst, Gemüse und den anderen klassischen Gaben lagen dort auch ganz persönliche Dinge, für die sie dankbar sind – zum Beispiel ein Kuscheltier.

Dankbarkeit, die nicht bei Worten stehen bleibt

Apostel Jens Korbien hatte im Vorfeld des Erntedankfestes auf Gedanken von Bezirksapostel David Heynes hingewiesen:

„Der Erntedanksonntag schenkt uns eine wertvolle Gelegenheit, über all das Gute nachzudenken, das Gott in den vergangenen Monaten und Jahren an uns und für uns getan hat.“

Bezirksapostel Heynes rief zugleich dazu auf,

„den Geist der Dankbarkeit in den Herzen zu wecken, damit Erntedanksonntag nicht nur ein Moment der Besinnung ist, sondern auch ein Moment der Anbetung, des Opfers und des Dienens.“

Und genau dieser Gedanke wurde in Taucha sehr praktisch.

Mehr als 1.000 Euro für Menschen in unserer Stadt

Wie bereits im vergangenen Jahr sammelte die Gemeinde zum Erntedankfest für die Tauchaer Zeittauschbörse, die Lebensmittel an bedürftige Menschen in unserer Stadt weitergibt. Haltbare Lebensmittel, Obst, Gemüse und Waren des täglichen Bedarfs füllten die bereitgestellten Tische.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Lebensmittel und Waren im Wert von weit mehr als 1.000 Euro kamen zusammen.

Am 6. Oktober wurden die Spenden an die Verantwortlichen der Zeittauschbörse übergeben. Dort war die Freude – und vor allem die Dankbarkeit – groß. Aus dem Dank für das, was man selbst empfangen hat, wurde damit ganz konkret Hilfe für andere.

Erntedank eben nicht nur auf dem Altar, sondern mitten im Alltag.

Dankbarkeit kann man auch hören – und schmecken

Musikalisch wurde der Gottesdienst vielfältig gestaltet. Kinderchor, Gemischter Chor und der gemeinsame Gemeindegesang ließen den Dank auch hörbar werden.

Und nach dem Gottesdienst durfte man ihn durchaus noch schmecken. Beim gemeinsamen Kirchenbrunch kamen viele Gemeindemitglieder zusammen. Bei zahlreichen Köstlichkeiten, Bratwurst vom Grill und auch einem frisch gezapften Kaltgetränk blieb genügend Zeit für Gespräche.

Vielleicht fasst genau das diesen Erntedanksonntag am besten zusammen: Gottes Gaben entdecken, darüber staunen, sie dankbar genießen – und nicht vergessen, davon etwas weiterzugeben.

Staunen. Danken. Teilen.