Gottesdienst mit Apostel Jens Korbien in Taucha

Am Sonntag, dem 10. April 2016 besuchte Apostel Jens Korbien das erste Mal die Gemeinde Taucha. In diesem Gottesdienst empfing das jüngste Gemeindemitglied aus der Hand des Apostels das Sakrament der Heiligen Versiegelung, und ein Amtsträger wurde in den Ruhestand versetzt.

Als Grundlage für den Gottesdienst wählte Apostel Korbien ein Bibelwort aus der Bergpredigt, mit dem der Stammapostel kürzlich gedient hat:

„Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei“ (Matthäus 5, 39-41).

Jesus nimmt mit seinen Worten über das Vergelten Bezug auf das mosaische Gesetz: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘ (Vers 38). Dieses Gesetz war damals ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Rechtswesens hin zu ausgleichender Gerechtigkeit. Der ungezügelten Rache wurden Schranken gesetzt.

Jesus widerspricht dieser Norm nicht grundsätzlich, er setzt ihr aber etwas völlig Neues entgegen: „Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel …“ Jesus fordert dazu auf, das Übel, das Böse auszuhalten und aus Liebe mit Gutem zu vergelten. Die Liebe muss immer bemüht sein, den Hass zu besiegen, auch unter vermeintlicher Demütigung und augenblicklichem persönlichen Nachteil. Dies ist ein Grundprinzip des Evangeliums.

In der damaligen jüdischen Gesellschaft stellte das Schlagen mit dem Handrücken der rechten Hand auf die rechte Wange eine tiefe persönliche Beleidigung und Erniedrigung dar. So wurde Jesus vor dem Hohen Rat ins Angesicht geschlagen. Er ließ es geschehen, brachte auf diese Weise seine Liebe zum Feind zum Ausdruck und gab ein Beispiel.

Der Rock war damals ein hemdartiges Untergewand. Der Mantel diente auch als Decke und zum Schutz gegen die Nachtkälte. Wer beides bei einer Pfändungsmaßnahme hingeben musste, stand nackt vor seinem Gegner und war diesem total ausgeliefert.

Der Apostel führte als Beispiel die Verteilung des Nachlasses bei einer Erbschaft an. Dabei kommt es oft zum Streit, manchmal gar zu lebenslangen Zerwürfnissen. Für uns als Christen gilt, Großzügigkeit walten zu lassen. Das geht aber meist nicht ohne inneren Kampf mit sich selbst.

Die Juden lebten zur Zeit Jesu unter römischer Besatzung. Ein römischer Soldat konnte jederzeit einen Juden zwingen, mit ihm eine Wegstrecke zu gehen und sein Gepäck zu tragen. Das war tiefes Unrecht und Willkür. Jesus fordert dazu auf, noch eine weitere Meile freiwillig mitzugehen und so auf Zwang mit Liebe zu antworten. Durch ein solches Verhalten erfährt der Besatzer die Liebe Gottes.

Die Worte Jesu zum Vergelten bedeuten nicht, dass wir als Christen Freiwild sind und jeder mit uns machen kann, was er will. Auch Jesus hat mit sich nicht alles machen lassen. Als er in seiner Heimatstadt Nazareth predigte, führte man ihn zur Stadt hinaus und wollte ihn einen Abhang hinabstürzen. „Aber er ging mitten durch sie hinweg“ (Lukas 4, 30).

Unsere Aufgabe ist es, auf die Stimme des Heiligen Geistes in uns zu hören, d. h. unsere Gedankenwelt, unser Verhalten in der Gemeinde und in der Gesellschaft nach dem Evangelium auszurichten und so die Liebe Gottes für die Menschen um uns erfahrbar zu machen.

Autoren: J.L./K.G.
Bilder: Dario Schwerdt